Wir gingen an das Ende derWelt

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„Arbeit macht frei“ – so steht es über dem Eingangstor des ehemaligen Stammlagers Auschwitz I in Oswiécim, Polen.
Dies war einer von mehreren Orten, welche die Klassen FOS 21/3B und FOS 24 des Berufskollegs AHS in Siegen vom 17.11.bis 22.11.2013 besuchten.
Doch dies sollte keine gewöhnliche Klassenfahrt, sondern eine Studienfahrt werden, die von dem Internationalen Bildungs– und Begegnungswerk Dortmund (IBB) organisiert und begleitet wurde.
Diese Reise ermöglichte uns Schülern, sich einmal vor Ort mit den Geschehnissen des Holocaust auseinanderzusetzen.

Nach einer dreizehnstündigen Busfahrt über Nacht kamen wir in Oswiécim an.
Das Zentrum für Dialog und Gebet sollte die nächsten drei Tage unsere Unterkunft sein.
Nach einem ausgiebigen Mittagessen ging es gestärkt zu einem geführten Stadtrundgang.
Während der aufschlussreichen Führung durch die Judengasse und der Besichtigung des jüdischen Friedhofs sowie der Maximilian-Kolbe-Kirche (polnisch: Maksymilian Kolbe) erfuhren wir unter anderem, dass die Bewohner der Stadt sehr großen Wert auf die Unterscheidung der beiden Namen legen, nämlich zum einen die Stadt Oswiécim und zum anderen das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz.
Wieder in der Unterkunft angekommen, gingen wir nach einer kurzen Besprechung über den Ablauf des nächsten Tages erschöpft ins Bett.

Am nächsten Tag stand die Besichtigung des Stammlagers auf dem Programm. Eine dreistündige Führung war hierfür angesetzt.
Mit gemischten Gefühlen trafen wir unsere Guide Dorota Adamczyk vor dem Eingang des Lagers.
„Arbeit macht frei“ steht in großen Lettern über dem Eingangstor.

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Alles, was wir sonst nur aus Schwarz-weiß-Bildern und Dokumentationen kannten, hatten wir plötzlich live und in Farbe vor Augen.
Die Führung war sehr informativ und interessant gestaltet.
Selbst an den Orten zu stehen, wo vor ca. 60 Jahren noch solch grauenvolle Taten verübt wurden, hatte eine intensive emotionale Wirkung auf die Gruppe.

Nachdem die geführte Besichtigung beendet war, hatten wir noch zweieinhalb Stunden Zeit, uns selbstständig im Lager umzusehen. Hier hatten wir noch einmal die Möglichkeit, uns die verschiedenen Gebäude anzusehen, welche sowohl noch Räumlichkeiten im Originalzustand zeigen, aber auch für Dokumentationen genutzt werden. Hier kann man etwa beeindruckende Ausstellungen der verschiedenen Länder Europas zum Thema „Holocaust“ finden.
Den Tag beendeten wir mit einer Besprechung, in dem wir unsere Fragen und Gefühle austauschen und klären konnten.

Der erste Hauptpunkt des nächsten Tages war die Besichtigung des Vernichtungslagers Auschwitz II Birkenau.
Unsere Guide Dorota führte uns über das ca.160 Hektar große Gelände und zeigte uns die verschiedenen noch vorhandenen Baracken, die zerbombten Krematorien und Denkmäler,
wie z.B. das aus Stein erbaute Mahnmal. Sehr betroffen und nachdenklich kehrten wir nach der Führung zur Unterkunft zurück.
Nun folgte der zweite Schwerpunkt des Tages, das Zeitzeugengespräch. Gespannt hörten wir dem 76-jährigen Jerzy Fijotek zu, welcher als achtjähriges Kind in das Vernichtungslager deportiert wurde. Die anschließende Möglichkeit, Fragen zu stellen, nutzten wir ausgiebig.

Daraufhin folge ein ganz besonderer Programmpunkt: An der sogenannten „alten Judenrampe“ verabschiedeten uns alle zusammen von den beiden Orten, die für so viele Menschen das Ende der Welt bedeuteten. Jeder von uns hatte auf ein Stück Papier geschrieben, wofür er in seinem Leben dankbar ist. Diese legten wir zusammen mit einem Blumenstrauß, einer Kerze und Gedenksteinen auf die alten Bahnschienen, wo früher über Leben und Tod entschieden wurde. Im Anschluss gedachten wir mit einer Schweigeminute der millionenfachen Opfer. Auch dieser Moment war für uns sehr ergreifend.
Dann verließen wir die Stadt Oswiécim und das Lager Auschwitz und fuhren mit unserem Bus zu unserem letzten Aufenthaltsort: Krakau.
Dort bezogen wir unsere Zimmer und ließen den Abend ausklingen.
An unserem letzten Tag besichtigten wir diese schöne Stadt Krakau. Neben den zahlreichen historischen Sehenswürdigkeiten zeigte uns unsere Stadtführerin das ehemalige jüdische Viertel Krakaus wie auch eine Synagoge und den dazugehörigen alten Friedhof.
Unser Weg führte daraufhin zum Wawel, dem Burgberg an der Weichsel mit prächtiger Burganlage und Bischofsresidenz.
Nach einem typisch polnischen Mittagessen und der Führung durch die prunkvoll gestaltete Marienkirche, die Franziskuskirche und die Jagiellonen-Universität hatten wir mehrere Stunden Freizeit.
Der krönende Abschluss der Reise war ein traditionell jüdisches Essen, welches von einem sehr unterhaltsamen Klezmer-Konzert begleitet wurde.
Anschließend stiegen wir in unseren Reisebus und traten den über 1000 km langen Heimweg an.

Auch wenn die Reise anstrengend und manches Mal bedrückend war, hat jeder von uns wertvolle Erfahrungen gesammelt, die so im Unterricht nie hätten vermittelt werden können.

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In einem Reader haben wir unsere Eindrücke ausführlich zusammen gefasst.

 

Geschrieben von:
Svenja Küßner, Naemi Kramme, Lutz Eichenauer